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Interview mit Jaël Malli

Jaël Malli wurde als Frontfrau der Band «Lunik»bekannt. Nach der Bandauflösung 2013 startete sie eine erfolgreiche Solokarriere. Ihr neustes Album ist soeben erschienen und heisst «Orkestra».

Sie stehen seit bald 20 Jahren auf der Bühne. Wenn Sie an den Anfang Ihrer Karriere denken: Was machen Sie heute auf der Bühne ganz anders?

Als meine Karriere mit Lunik anfing war ich 18, sehr schüchtern und überfordert, vor Leute zu treten. Ich wollte einfach nur singen und stand meistens mit geschlossenen Augen und mich quasi hinter dem Mikrofon und der Lichtshow versteckend auf der Bühne. Heute singe ich zwar auch oft mit geschlossenen Augen, weil ich mich so besser in die Lieder hinein geben kann, geniesse es aber ebenso, zwischen den Liedern Augenkontakt zu meinen Zuhörern zu haben und ihnen zu erzählen, wie dieses oder jenes Lied geschrieben wurde. So entsteht eine sehr ungezwungene und nahe Wohnzimmer-Atmosphäre, die ich sehr mag.

Sie haben eine treue Fangemeinde. Was ist das Schönste, das Ihnen ein Fan jemals gesagt hat?

Es berührt mich sehr, wenn mir Menschen erzählen, dass ihnen meine Musik in schwierigen Zeiten ihres Lebens geholfen hat, sie sich davon verstanden fühlten. Natürlich freut es mich auch, wenn sich ein Paar zu meiner Musik verliebt und gefunden hat.

Bis 2013 sangen Sie in der Band Lunik. Was vermissen Sie am meisten aus dieser Zeit?

Ich bin grundsätzlich ein nostalgischer Mensch und denke immer wieder gerne an diese tolle Zeit in meinem Leben zurück. Aber vermissen tue ich sie nicht. Es war gut als es war, jetzt ist alles so, wie es sein muss und das ist das nächste Kapitel.

Im Oktober kam Ihr Live-Album «Orkestra» heraus, was ist für Sie persönlich das Besondere an diesem Album?

Ich habe mich dabei für eine Vielzahl von Liedern entschieden, die in den letzten 15 Jahren vorwiegend in Kollaborationen mit anderen Künstlern entstanden sind, und die ich deswegen teilweise noch gar nie live gesungen hatte. Es war für mich eine irrsinnig schöne Erfahrung gerade Lieder aus dem elektronischen Bereich komplett umzudrehen und quasi ganz «nackt» nur mit Stimme und Orchester neu zu arrangieren, auf der Bühne zu singen und aufzunehmen. Sie erstehen auf diese Weise wie noch einmal zu neuem Leben auf.

Beschreiben Sie uns Ihr neues Album mit drei Worten?

Warm - Melodie - Emotion

Warum denken Sie, ist den Menschen Musik wichtig?

Musik lässt Bilder und Gefühle aufkommen. Sie verbindet. Sie kann einen trösten und umarmen oder eine gute Laune unterstreichen und verstärken. Man kann darin träumend baden und endlich einmal den Kopf abstellen. Es ist der Soundtrack zu deinem Leben, der immer für dich da ist, so wie er für dich stimmt.

Welche Eigenschaften muss man aus Ihrer Sicht als Musikerin (in der Schweiz) unbedingt mitbringen?

Da unser Markt sehr klein ist, können nur sehr wenige Schweizer Musiker vollends von ihrer Musik leben. Zusätzlich dazu Talent und ein Gespür/gutes Gehör für Musik mitzubringen, muss man somit leidenschaftlich und idealistisch veranlagt sein, und einen langen Atem haben, sowie Selbstdisziplin, da man selbständig erwerbend ist. Dinge wie Verhandlunggeschick, Umgang mit Medien oder administrative Arbeit kann man sich über die Zeit aneignen, gehört aber auch dazu.

Sie haben ein Konzert an der «Sunraising* Challenge 2017»  gegeben. Dank «Sunraising» haben auch Mieter (und nicht nur Liegenschaftsbesitzer) die Möglichkeit, Solarstrom zu beziehen. Welche Energiethemen liegen Ihnen besonders am Herzen?

Gerade jetzt, wo der Winter naht, ist das Thema lüften/heizen sicher wieder ein grosses. Ich bin grundsätzlich froh zu spüren, dass in Richtung «erneuerbare Energien» zurzeit viel gedacht wird und neue Lösungen gesucht werden, um diese vermehrt auch in der Schweiz zu nutzen.

Inwiefern achten Sie im Alltag auf Energieeffizienz?

Ich versuche in meinem kleinen Umfeld so gut wie es halt geht, energieeffizient zu leben. Halt die alltäglichen Dinge wie Geräte immer gänzlich abzustellen oder Wasser sparen. Wir haben Sparlampen bei uns zuhause, kompostieren unsere Küchenabfälle und recyclen was das Zeug hält. Ich selber bin auch Freund davon, Dinge zu teilen und weiterzugeben, wie Bücher und Kleider, damit man nicht ständig soviel wegwirft. Ich werde Ende Jahr zum ersten mal Mama und auch gerade da haben wir uns bemüht, nicht alles neu, sondern auch Secondhandmöbel zu kaufen und haben netterweise Babykleider von Freunden erhalten. In diesem Bereich gibt es so viele Dinge, die man nur kurze Zeit benötigt und die es sich zu teilen lohnt. Unsere Wegwerfgesellschaft, bei der man immer mehr und noch mehr haben will, macht mich manchmal ganz verrückt. Die Ernährung gehört für mich ebenfalls dazu: saisongerechtes, lokales Essen einkaufen und tierische Proteine zudem nur mit Verstand und Mass konsumieren. UND natürlich beziehe nun auch ich aus ein paar Quadratmetern Solarpanel Solarstrom.

Welche Aussicht in Bern finden Sie ist die allerschönste?

Ui... da gibt es zu viele, um sie alle zu nennen. Ich bin ein Naturfreak und spaziere ausgesprochen gerne. Da kommt es sogar vor, dass mir einfach nur die Tränen kommen vor Rührung bei einem schönen Sonnenaufgang von meinem Balkon aus oder bei einem abendlichen Spaziergang durch die Elfenau oder wenn ich über die Kirchenfeldbrücke heim gehe und die Berge am Horizont sehe. Aber natürlich ist auch die Sicht vom Gurten Richtung Thun und jene am Muristalden auf die Altstadt ein Highlight.

Sie werden schon bald das erste Mal Mami. Welche Werte möchten Sie Ihrem Kind unbedingt vermitteln?

Wir werden unser Buebeli nach unserem Bauchgefühl und unserer Ideologie erziehen. Was dann hängen bleibt und was er für sich ganz klar ablehnt, werden wir sehen...


*Auch als Mieter haben Sie die Möglichkeit, Ihren eigenen Solarstrom zu beziehen: Für 350 Franken pro Quadratmeter verkauft der gemeinnützige Verein «Sunraising» online Anteile an Solardächern. Sobald alle Quadratmeter eines Daches finanziert sind, baut Sunraising die Anlage. Der Strom wird von Energie Wasser Bern direkt über die Stromrechnung gutgeschrieben.


 

Foto: Davide Caenaro