
Hinter den Kulissen: Revision Kraftwerk Felsenau
Ein Wasserkraftwerk läuft am liebsten rund um die Uhr. Doch einmal im Jahr steht alles still. Dann wird geschraubt, geprüft und modernisiert – in engem Takt und mit viel Präzi sion. Ein Blick auf die Revision im Kraftwerk Felsenau zeigt, warum Stillstand hier Hoch betrieb bedeutet.
Vom 15. bis 19. Juni 2026 war im Kraftwerk Felsenau nichts wie sonst: Die Maschine wurde vom Netz genommen, das Wasser umgeleitet. Was im ersten Moment nach Pause klingt, ist in Wirklichkeit ein exakt durchgetakteter Arbeitseinsatz. Denn viele Arbeiten lassen sich nur im Stillstand durchführen – etwa an der Turbine oder am Generator.
Eine zentrale Aufgabe war in diesem Jahr das Upgrade der Prozessstationen der Maschinensteuerung. Es sorgt dafür, dass der Betrieb auch künftig sicher und zuverlässig läuft. Parallel dazu wurde der Generator einer umfassenden Diagnose unterzogen: Generator trennen, erden, Widerstände messen, den Zustand genau analysieren. Die Erkenntnisse daraus bilden die Grundlage für die nächste grosse Revision.

Planung ist alles
Damit während weniger Tage alles reibungslos funktioniert, beginnt die eigentliche Arbeit lange vorher. «Das A und O ist die Vorbereitung», sagt Hansruedi Klopfenstein, Leiter Betrieb & Instandhaltung Hydrokraftwerke. Termine müssen koordiniert, externe Partner eingebunden und der genaue Arbeitsumfang festgelegt werden. Denn Zeit ist ein entscheidender Faktor: Während der Revision produziert das Kraftwerk keinen Strom. Der Ausfall wird vorgängig im Energiehandel eingeplant und durch Ersatzenergie kompensiert – ein kostspieliges Unterfangen. Entsprechend müssen alle Arbeiten Hand in Hand laufen.
Teamwork unter Hochdruck
Sobald die Anlage heruntergefahren ist – ein Prozess, der rund 20 Minuten dauert –, übernimmt das Team. Die Maschine wird gesichert, der Generator freigegeben, Abdeckungen entfernt. Erst dann können die externen Fachleute ihre Arbeit aufnehmen. Die enge Zusammenarbeit mit Herstellern spielt dabei eine wichtige Rolle. Spezialisten analysieren die Wicklungen des Generators oder beurteilen den Zustand der Turbine und liefern Empfehlungen für kommende Revisionen. Für Hansruedi ist klar: Ohne Team geht es nicht. «Jeder geht für jeden», sagt er. Dieses Zusammenspiel sei entscheidend, damit unter Zeitdruck alles funktioniert.
Revision als Teil eines grossen Ganzen
Die jährliche Revision ist eingebettet in ein ausgeklügeltes Instandhaltungssystem. Tägliche Kontrollen, monatliche Prüfungen und regelmässige Inspektionen sorgen dafür, dass die Anlagen zuverlässig laufen. Alle zehn bis zwölf Jahre folgt eine Generalrevision, bei der die Maschine komplett zerlegt wird. Wo möglich werden zusätzliche Arbeiten bewusst mit der Revision kombiniert, beispielsweise aktuell der Ersatz der Pumpensteuerung im Laufradschacht. So lässt sich vermeiden, dass die Anlage mehrfach abgeschaltet werden muss.

Zurück in den Dauerbetrieb
Nach wenigen Tagen ist die Revision abgeschlossen. Schritt
für Schritt wird die Anlage wieder hochgefahren – kontrolliert
und nach klarer Checkliste freigegeben. Denn im Alltag gilt:
Das Kraftwerk Felsenau läuft am besten im Dauerbetrieb.
Wasserkraftwerke: Effizienz am Limit
Wasserkraftwerke gehören zu den effizientesten Energieproduzenten überhaupt: Bis zu 90 Prozent der Energie des Wassers werden in Strom umgewandelt. Entsprechend klein ist der Spielraum für weitere Verbesserungen. Optimierungen erfolgen meist im Rahmen grösserer Modernisierungen, etwa durch neue Materialien oder angepasste Konstruktionen. Gleichzeitig helfen moderne Sensoren und digitale Analysen, den Zustand der Anlagen jederzeit im Blick zu behalten. Abweichungen werden früh erkannt – oft lange bevor ein Problem entsteht.


