
Leandras Weg zur Junior Projektleiterin Elektro
Auch 2025 sind Frauen in technischen Berufen oft noch Ausnahme statt Selbstverständlichkeit. Kein Grund für Leandra Schär, Junior Projektleiterin Elektro, den Kopf in den Sand zu stecken. Ihr Beispiel zeigt, wie Fachwissen, Leidenschaft und Mut zusammenkommen, um die Energieversorgung von morgen zu gestalten. Gleichzeitig steht sie für all jene Frauen, die mit ihrem Können und Engagement die Zukunft mitgestalten und junge Mädchen inspirieren wollen.
Wer sich mit Leandra unterhält, realisiert schnell: Diese Frau brennt für Elektrotechnik. Dass sie dereinst als Junior Projektleiterin Elektro in der Energiebranche tätig sein würde, war zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn jedoch nicht zu erahnen – weder für sie selbst noch für ihr Umfeld. «Meine Eltern hätten mich spontan nicht gerade in einem technischen Beruf gesehen (lacht). Aber sie standen immer hinter meiner Entscheidung und haben mich unterstützt», erzählt Leandra. Mit einer Lehre als Kauffrau in einem Regionalspital schlug sie zunächst einen ganz anderen Weg ein. Doch für sie war klar: Sie wollte noch mehr. Was genau, wusste sie lange nicht. Durch einen glücklichen Zufall stiess sie schliesslich auf den Studiengang Energie und Umwelttechnik der Fachhochschule Nordwestschweiz. In der Vertiefungsrichtung «Nachhaltiges Wirtschaften» wollte sie ihr betriebswirtschaftliches Vorwissen aus der Lehre und den ersten Berufsjahren mit ihrem persönlichen Engagement für Nachhaltigkeit verbinden. Der Plan schien perfekt. Bis zu jenem Tag im Grundstudium, an dem das Thema Transformatoren auf dem Programm stand.

Transformatoren und Widerstand
«Ich erinnere mich daran, als wir im Unterricht das erste Mal die Funktionsweise von Transformatoren angeschaut haben. Da hat es mich gepackt! Ich war sofort absolut fasziniert von diesen technischen Anlagen!» Ab da war für Leandra klar: Sie musste in die Vertiefungsrichtung «Elektrische Energiesysteme» wechseln. Von insgesamt acht Frauen in ihrem Studiengang war sie die Einzige mit diesem Plan. Ein Problem war das aber nie, weder für sie noch für ihre Kommilitonen oder die Dozierenden. Dass man ihr als Frau einen technischen Beruf scheinbar nicht immer zutraute, diese Erfahrung musste sie erst später ausserhalb des Studiums machen. «Leider gibt es vereinzelt Personen, die aufgrund meines Geschlechts an meinem Können und meiner Kompetenz zweifeln. Wenn ich einen abschätzigen Kommentar wie ‹Ich weiss nicht, ob du das kannst› an den Kopf geworfen bekomme, ist das verletzend und beschäftigt mich. Auch in einer Begrüssungsrunde bewusst ignoriert zu werden, in der Annahme, dass ich ja unmöglich dazugehören kann, ist nicht schön. Ein solches Verhalten macht mich wütend. Ich bin der Meinung, über diesen Punkt sollten wir 2025 längst hinweg sein.» Doch unterkriegen lässt sie sich davon nicht – ganz im Gegenteil. Ihr Motto: Jetzt erst recht; ich zeige euch, was ich kann!
Komplexe Projekte und ein tolles Team
Dass Leandra etwas kann, daran hat ihr Team bei ewb nie gezweifelt. Nicht ohne Grund darf sie als Junior bereits bei grossen und bedeutenden Projekten wie der Sanierung des Unterwerks Wankdorf mitarbeiten. «Mit dem Neubau des Unterwerks leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit der Stadt Bern. Gleichzeitig sorgen wir mit einer zukunftsfähigen Anlage dafür, dass wir effizient unterwegs und für die kommenden Herausforderungen der Energiewende gerüstet sind», erzählt uns Leandra stolz. Sie ist dankbar dafür, bei ewb die Chance erhalten zu haben, ihr Wissen in die Praxis umzusetzen und einen wichtigen Beitrag zu leisten. Besonders schätzt sie dabei auch ihr Team: «Meine Arbeitskollegen sind wirklich toll! Sie nehmen sich immer Zeit für den fachlichen Austausch, beantworten alle meine Fragen geduldig und unterstützen mich tatkräftig. Ich arbeite sehr, sehr gern hier und bin stolz, ein Teil von ewb zu sein», sagt sie und lächelt.
Mehr Frauen für die Energiebranche
Auch wenn sich Leandra in ihrem reinen Männer-Elektro-Team
wohlfühlt, fände sie es trotzdem schön, wenn sich mehr Frauen
für die Energiebranche und grundsätzlich technische Berufe
interessieren würden. «Ich denke, wir sind heute auf alle qualifizierten und engagierten Fachkräfte angewiesen – unabhängig
vom Geschlecht. Es mag sein, dass Frauen manchmal anders an
Dinge herangehen als Männer, aber genau das ist unglaublich
wertvoll. Die Vielfalt an Meinungen und Perspektiven in einem
durchmischten Team hilft dabei, bessere Lösungen für komplexe
Herausforderungen zu finden. Das sollten wir gezielt nutzen.»
Ihr ist bewusst, dass es nicht zwingend am mangelnden Willen
der Arbeitgeber liegt, dass Frauen in technischen Branchen
noch untervertreten sind. Sie sieht eher die fehlende Sensibilisierung als Problem. Vielen jungen Mädchen sei gar nicht bewusst, was es für spannende technische Berufe gäbe. Gerne
möchte sie sich deshalb künftig noch mehr engagieren und für
mehr Sichtbarkeit von Frauen in technischen Berufen sorgen.
«Wenn ich mit meinem Werdegang Mädchen und junge Frauen
dazu ermutigen oder inspirieren kann, einen technischen Weg
einzuschlagen, fände ich das wirklich sehr schön. Klar, ein Quereinstieg wie bei mir ist herausfordernd und braucht Mut. Es
war für mich nicht einfach, mit dem KV in ein Ingenieurstudium
einzusteigen. Ich habe geschwitzt und gekämpft, vor allem am
Anfang. Aber mit Motivation und Durchhaltewillen schafft man
das, davon bin ich überzeugt.» Ihre Botschaft für junge Mädchen
lautet deshalb: Sei mutig. Sei neugierig. Sei visionär.
Einen Beitrag leisten
Mut und Durchhaltewillen sind zwei Dinge, die sich Leandra auch für die Energiebranche wünscht. Denn der Weg zu einer nachhaltigen Energiezukunft wird herausfordernd. Daher braucht es gerade jetzt immer wieder mutige Entscheidungen und natürlich den Elan, auch in schwierigen Zeiten und bei Gegenwind für gute Lösungen einzustehen und Skeptikerinnen sowie Skeptiker mit stichhaltigen Argumenten zu überzeugen. Blickt Leandra auf ihre Arbeit, hat sie keinen Zweifel daran, dass wir bei ewb mit zukunftsfähigen Anlagen wie dem neuen Unterwerk Wankdorf auf dem richtigen Weg sind. «Ich allein werde die Welt nicht retten können (lacht), aber ich hoffe, ich kann einen kleinen Beitrag dazu leisten.»


