
Zukünftig heizen wir mit der Aare
Zur Erreichung der Klimaziele der Stadt Bern prüft Energie Wasser Bern die Erschliessung des Nordostens von Bern mit einem neuen Fernwärmenetz. Hauptpfeiler der neuen Wärmeversorgung soll die Nutzung von klimafreundlicher, lokal produzierter Wärme aus der Aare sein. Projektleiter Michael Balmer erklärt, wie wir die Aare künftig doppelt nutzen können: im Sommer als erfrischende Abkühlung und im Winter zum Heizen.
Energie Wasser Bern (ewb) gestaltet die Energiewende in
der Stadt Bern aktiv mit und trägt mit dem Bau von nachhaltigen
Wärmelösungen zur CO₂-Reduktion und zur Erreichung
der Klimaziele bei. Dazu prüft ewb unter anderem,
inwieweit die nordöstlichen Quartiere von Bern mit einer
nachhaltigen Fernwärmelösung versorgt werden können.
Die Aare ist der Hauptpfeiler der lokalen und
klimafreundlichen Wärmeversorgung
Während die Wärme im Westen von Bern hauptsächlich
von der Kehrichtverwertung der Energiezentrale Forsthaus
stammt, muss im Nordosten der Stadt zuerst eine
Wärmequelle, oder anders gesagt eine Produktionsinfrastruktur
für erneuerbare Energie, aufgebaut werden. Der
Hauptpfeiler dieser nachhaltigen Wärmeversorgung ist die
Nutzung von Umweltwärme aus der Aare. «Eine grosse
Herausforderung für den Bau von neuen Wärmenetzen ist
das Finden eines Standorts für die Produktionsinfrastruktur
», sagt Projektleiter Michael Balmer. «Im dicht besiedel-
FOKUS
Klimafreundliche Wärme
für Berns Nordosten
Zukünftig heizen wir mit der Aare
ten städtischen Raum gibt es wenige Orte, die sich für
den Bau einer Wärmeproduktionsanlage eignen.» Aus diesem
Grund nutzt Energie Wasser Bern daher wo möglich
eigene Parzellen, die noch Platz bieten oder Bauwerke, die
nicht mehr benötigt werden und die sich für den Bau einer
Anlage eignen. Fürs Fernwärmenetz ist das in diesem Fall
eine historische Kaverne.
Historische Kaverne wird sinnvoll genutzt
Am westlichen Aareufer auf der Höhe der Engehalde
wird Aarewasser durch ein Fassungsbauwerk durch
eine bestehende Kaverne von ewb leiten. Hier wird dem
Wasser Wärme entzogen und über einen getrennten
Kreislauf zu zwei Energiezentralen transportiert, welche
die Liegenschaften in den benachbarten Quartieren mit
der lokal produzierten klimafreundlichen Wärme versorgen.
Der Kanton Bern hat die Konzession zur Nutzung des
Aarewassers sowie die dafür notwendige Baubewilligung
Anfang März 2026 erteilt.

Unbedenklich für Flora und Fauna
Der Aare Wärme entziehen und damit unsere Wohnung heizen
tönt interessant, aber was passiert dann mit den Tieren und
Pflanzen, die in der Aare leben? Bemerken die den Temperaturunterschied?
«Die Wärmegewinnung aus der Aare hat
keine spürbaren Auswirkungen auf Flora und Fauna», so sagt
Gesamtprojektleiter Michael Balmer. «Die Nutzung lokaler
Energie aus Aare unterliegt strengen, gesetzlichen Auflagen,
die allesamt von ewb erfüllt werden.»
Interesse an nachhaltiger Heizlösung ist gross
Bis mit Aarewasser dann auch tatsächlich Wohnungen beheizt
werden können, sind noch einige Schritte notwendig. «Aktuell
läuft eine Umfrage bei den Liegenschaftseigentümer:innen
im Nordquartier», die ihr Interesse bei ewb anmelden können.
«Damit erhält ewb detaillierte Informationen zur Ausgestaltung
des künftigen Fernwärmenetzes sowie der zu erschliessenden
Gebiete», so Balmer. Danach kann man mit der Planung und
Umsetzung des Netzbaus beginnen.
Netzbau startet voraussichtlich ab 2029
Der Baustart erfolgt voraussichtlich Ende 2027. Gemeinsam
mit der Stadt will man die Bautätigkeiten für Aufwertungsmassnahmen
wie Entsiegelungen, Begrünungen
oder Verkehrsberuhigungen nutzen. Erste Fernwärmelieferungen
oder, anders gesagt, die erste mit Fernwärme
beheizte Wohnung ist ab 2031 zu erwarten. Das neue
Fernwärmenetz soll künftig rund 12'000 Haushalte nachhaltig
mit Wärme versorgen.
Liegenschaftsbesitzer:innen aus dem Berner Nordquartier,
die ihr Interesse an einem Fernwärmeanschluss anmelden
möchten, können dies unter diesem Link machen:


