
Baustellen mit Weitblick
Viele Baustellen, ein Ziel: ewb sorgt dafür, dass Bern auch morgen sicher, effizient und nachhaltig mit Energie und Wasser versorgt wird. Warum die Instandhaltung so wichtig ist – und weshalb sie mehr Zukunftsarbeit als reine Sanierung ist –, erklärt Michael Jaun im Gespräch.
Michael Jaun, wenn man durch die Stadt fährt,
sieht man insbesondere im Westen sehr viele
Baustellen von ewb, hat das einen Grund?
Ja, einerseits bauen wir das Fernwärmenetz aus, damit wir
Bern mit erneuerbarer nachhaltiger Wärme versorgen können. Gleichzeitig nutzen wir die Baustellen aber auch, um die
Wasser- und Strom- und, wo nötig, auch die Gasleitungen zu
sanieren. Damit leisten wir nicht nur einen wichtigen Beitrag
zur Energiewende, sondern stärken durch verschiedene Instandhaltungsmassnahmen auch die Versorgungssicherheit.
Was versteht ewb unter «Instandhaltung»,
kannst du das kurz beschreiben?
Instandhaltung umfasst alle Massnahmen, welche die
Lebensdauer von Anlagen und Leitungen optimal sicherstellen. Das können Reparaturen sein oder, wenn nötig, der
Ersatz von Leitungen. Bei den Anlagen reicht das Spektrum
von der Sanierung von Grossanlagen wie dem Unterwerk
Engehalde bis zum Erneuern der ca. 600 Transformatorenstationen.

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat die Instandhaltung? Was bedeutet das für ewb generell?
Energie Wasser Bern investiert jährlich rund 40–60 Millionen Franken in die Instandhaltung. Bei ewb sind rund 350 Mitarbeitende mit der Instandhaltung der Infrastruktur beschäftigt. Das heisst, knapp die Hälfte der Mitarbeitenden ist also tagtäglich auf dem Stadtgebiet im Einsatz, damit die Energie- und Wasserversorgung einwandfrei sichergestellt ist.
Warum ist gerade jetzt der Bedarf für Unterhaltsarbeiten so gross?
Grundsätzlich ist der jährliche Unterhaltsbedarf recht konstant, solange die Netze sich nicht gross verändern und immer genügend Instandhaltung gemacht wurde. Insbesondere im Bereich der Stromversorgung aber auch bei den Wasserleitungen haben wir zum Teil aber noch sehr alte Anlagen. Wir haben Wasser- und Stromleitungen, die weit vor den 1920er-Jahren gebaut wurden, also viel älter sind als wir sie normalerweise nutzen (ca. 60–80 Jahre). Hinzu kommen aktuell auch viele neue Anforderungen an die Netze (Solarausbau und Wärmepumpen) sowie der Fernwärmeausbau.
Welches sind die grössten Herausforderungen, denen man bei der Leitungssanierung begegnet?
Die grösste Herausforderung ist meist die Zugänglichkeit der Leitungen, beispielsweise wie tief sie im Boden liegen oder ob sie sich an schwer erreichbaren Orten befinden. Bei der Sanierung müssen Sicherheit sowie Qualität jederzeit vollumfänglich gewährleistet sein, das heisst, wir müssen während der Sanierungsdauer mit Provisorien (Ersatzleitungen) arbeiten und beispielsweise die Strom- und Wasserversorgung zeitweise kurz ausser Betrieb setzen.
Haben euch die neuen Möglichkeiten der
Digitalisierung bei der Sanierung unterstützt?
Neue digitale Möglichkeiten eröffnen sich sicher bei der
Planung, der Automatisierung und der Dokumentation. Bei
der eigentlichen Sanierung spielt Digitalisierung eher noch
eine untergeordnete Rolle
Wie läuft eine Sanierung ab, sanieren wir präventiv oder nur, wenn die Leitungen wirklich
Schäden aufweisen?
Grundsätzlich wird saniert, wenn die Leitungen kaputt sind
oder grössere Schäden aufweisen. Im Sinne einer optimalen Synergienutzung versuchen wir möglichst mit einem
Baugraben alle alten Leitungen auf einmal zu sanieren.
Bei Sanierungen setzen wir auf Qualität, wir investieren in
langlebige und hochwertige Leitungen und Netzbauten.
Was passiert mit den Leitungen, die aus dem Boden herausgerissen werden? Werden die recycelt?
Ja, Kreislaufwirtschaft hat bei uns eine grosse Bedeutung. Insbesondere werthaltiges Baumaterial wie Kupfer und Aluminium wird recycelt.
Wenn du einen Wunsch an die Berner Bevölkerung hättest, wie würde der lauten?
Ich wünsche mir ein gewisses Verständnis von Seiten der Bevölkerung für unsere zwingend nötigen Arbeiten. Wir versprechen von unserer Seite, dass wir koordiniert mit anderen Organisationen der Stadt bauen und unser Möglichstes unternehmen, damit wir die Bevölkerung so wenig wie möglich einschränken.


