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Interview mit Bernhard Sollberger

Was sagt eigentlich die Wissenschaft zum Thema Glück? Gibt es so etwas wie eine Glücksformel? Oder gibt es eine Erklärung für die Glücksgefühle im Frühling? Der Psychologe Bernhard Sollberger aus Bern, Assistent an der Fernuni Schweiz, ist Glücksforscher. Ein Gespräch über das Glück.

Wie kamen Sie darauf, Forschung zum Thema Glück zu betreiben?

Bei meinen Literaturrecherchen im Bereich Musik und Emotion als Assistent an der Uni Bern bin ich vor rund 15 Jahren auf den Themenbereich gestossen. Ich war sofort von der Idee der Glücksforschung begeistert, ergänzend zur Erforschung von psychischen Krankheiten zu ergründen, was das Leben besonders lebenswert macht.


Welche Fragestellungen zum Thema haben Sie untersucht?

Von Beginn an haben mich Studien sehr interessiert, welche zeigen, dass glücklich sein mithilfe von einfachen Übungen wie z.B. dem Führen eines Dankbarkeitstagebuches oder das Kultivieren von altruistischem Verhalten gefördert werden kann. Ich habe deshalb vorwiegend in diesem Bereich geforscht und Hinweise darauf gefunden, dass das Glücklichsein z.B. auch durch das Führen eines Tagebuches über Dinge, die man sehr gerne macht und die einem viel bedeuten erhöht werden kann.


Was macht Menschen glücklich?

Derjenige Faktor, welche am meisten zum Glücklichsein beiträgt, sind gute soziale Beziehungen. Im Allgemeinen machen uns Aktivitäten glücklich, bei welchen wir uns engagieren können und in denen wir Sinn erkennen. Dabei spielen die zuvor angesprochenen sozialen Beziehungen sowie die Arbeit und Freizeitaktivitäten eine grosse Rolle. Eher kurzfristig kann uns aber natürlich auch ein Konzertbesuch oder ein feines Glas Wein glücklich machen.


Gibt es auch „Glücksfallen“?

Ja, davon lauern besonders in der westlichen Welt einige: In unserer Überflussgesellschaft ist es z.B. interessant zu wissen, dass die Erhöhung von Wahlmöglichkeiten die Zufriedenheit mit einer getroffenen Wahl senkt. Auch zum Teil gesellschaftlich vermittelte Werte wie eine auf Konsum ausgelegte materialistische Haltung, Prestigedenken oder Machtstreben reduzieren das Glücklich sein.
 

Der Frühling weckt bekanntlich Glücksgefühle. Warum ist das so?

Dafür gibt es verschiedene Gründe: Zunächst spielt eine Rolle, dass in dieser Zeit die Natur erwacht, was sich auf den Menschen überträgt, denn dieser ist ja auch ein Teil der Natur. Dazu kommen die vielen hellen Farben der Natur, und ebenso wirkt weniger verhüllte Haut auf unsere optische Wahrnehmung ein. Schliesslich ist die stärkere Lichteinstrahlung im Frühling verantwortlich für eine erhöhte Ausschüttung der Glückshormone Serotonin und Dopamin.
 

Wie misst und vergleicht man Glücklichsein?

Es gibt viele Fragebogen, mit deren Hilfe das Glücklichsein und verwandte Konstrukte wie Lebenszufriedenheit, Wohlbefinden oder psychische Gesundheit gemessen werden kann. Die entsprechenden Werte von Personen oder Personengruppen können dann einfach miteinander verglichen werden. Glücklichsein kann man aber auch indirekt mittels der Messung von Hormonen oder Gehirnaktivierungsmustern messen.


Gibt es auch schwierige Situationen, die glücklich machen können?

Schwierige Situationen im Sinn von Herausforderungen können glücklich machen, wenn die entsprechenden gesteckten Ziele realistisch und damit erreichbar sind. Schwierige Situationen im Sinn von schweren Krisen bedeuten Leiden, können aber mittel- und langfristig zu sog. posttraumatischem Wachstum führen. In dem Fall können Krisen über die Zeit hinweg in der Tat zum Glücklichsein beitragen.


Fühlen sich sehr glückliche Menschen immer gut?

Nein. Sehr glückliche Menschen erleben zwar viel häufiger positive als negative Emotionen, aber auch sie kommen um schwierige Situationen im Leben nicht herum – in dem Sinne sind Krankheit, Todesfälle, endende Beziehungen oder der Verlust der Arbeitsstelle Realitäten, welchen sich die Glücksforschung nicht verschliessen darf.
 

Hängt das glücklich sein davon ab, wie optimistisch Menschen sind?

Ja, da Optimismus eine Charakterstärke ist, welche einen starken Zusammenhang mit dem Glücklichsein aufweist. Die gute Nachricht für weniger optimistische Menschen ist, dass es viele andere Charakterstärken gibt, welche ebenfalls zum Glücklich sein beitragen, z.B. die Fähigkeit zu lieben und geliebt zu werden, Dankbarkeit, Enthusiasmus oder Humor.
 

An welchem Ort in Bern sind Sie besonders glücklich?

Bern ist für mich eine Herzensangelegenheit, ich bin hier grundsätzlich sehr glücklich. Gegen einen schönen Sommerabend im Rosengarten, ein tolles Konzert im ISC oder den Besuch eines YB-Matches im Stade de Suisse habe ich aber natürlich nichts.


Nennen Sie uns 3 Dinge, welche Sie persönlich sehr glücklich machen?

  • Die mir sehr nahe stehenden Menschen in meinem Leben.
  • Musik – egal, ob ich sie höre, komponiere, oder auf der Gitarre (mit oder ohne Strom) spiele.
  • Meine Arbeit als Assistent an der FernUni Schweiz, weil ich die Vermittlung von Wissen und die Zusammenarbeit mit den Studierenden als eine meiner Berufungen betrachte.
Foto: Alexandra Jäggi