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Der Zytglogge - Ein Denkmal im neuen Licht

Er erhebt sich aus den Häuserreihen beim Kornhausplatz und bildet das Tor zur unteren Altstadt: Der Zeitglockenturm, besser bekannt als „Zytglogge“. Einst ein Wachturm und wichtiger Bestandteil der Berner Festungsanlage, heute Touristenmagnet und Wahrzeichen. Von Februar bis Juni 2018 werden die Fassaden sowie das Dach des geschichtsträchtigen Baus umfassend saniert und das Astrolabium renoviert. Energie Wasser Bern war anlässlich des neuen Beleuchtungskonzepts auf der Baustelle unterwegs.

Bild: Die fünf Planetengötter über dem Astrolabium

Ein Memorialbau

Erste Nennungen belegen, dass der Turm gegen Ende des zwölften Jahrhunderts errichtet wurde. Zur Stadtsicherung erbaut, diente er damals als Westtor und war Dreh- und Angelpunkt im Mauergürtel rund um die Stadt. Im 14. Jahrhundert dienten die beiden unteren Etagen des Turms als Gefängnis, da sich Bern durch die stetig wachsende Anzahl Einwohner flächenmässig ausbreitete, sodass sich der einstige Wehrturm plötzlich inmitten der Gebäude wiederfand, wodurch sich seine ursprüngliche Funktion zur Stadtverteidigung erübrigte. Nach der grossen Brandkatastrophe in Bern 1405 diente der Zytglogge vor allem als Feuerwacht. Turmwächter und Stadttrompeter erhielten im Innern ihr festes Obdach, das Turmzimmer.

Die Zeitanzeige ist zwar nicht der ursprüngliche Zweck, jedoch die bis heute beibehaltene Verwendung und die Namensgebung des Turms. Die Glocke, erstmals 1380 belegt, genügte den Bernerinnen und Bernern während vielen Jahren als akustische Zeitangabe. Nicht nur die Stadt richtete sich lange vor Bahn- und Radiozeitangaben nach den Schlägen der Stundenglocke, auch darüber hinaus hatte der Zytglogge seine Bedeutung. So wurden beispielsweise die Wegstunden ab dem Turm gemessen und auf ihn beziehen sich die Stundensteine an den Kantonsstrassen.

Früh im 15. Jahrhundert entstand das Astrolabium über dem Tor am Zytglogge. Es stellt das antike Weltbild mit der Erde als Mittelpunkt dar, Sonne, Mond und Sterne kreisen darum. Auch zeigt das Astrolabium den aktuellen Wochentag. Die Fresken darüber bilden die fünf Planetengötter Saturn, Jupiter, Mars, Venus und Merkur ab, welche nach alter Ordnung namensgebend für die Wochentage waren. Erst im frühen 17. Jahrhundert zeigten Zifferblätter am Zytglogge die Stunden und Viertelstunden an.


Das Denkmal im neuen Licht

Eine erste permanente architektonische Beleuchtung des Zytglogge folgte nach dem 2. Weltkrieg. Diese wurde seither drei Mal erneuert. Nun wird die letzte Beleuchtungsanlage von 1986 ersetzt. Zur Anleuchtung des Wahrzeichens wird präzise Projektortechnik verwendet. Zum einen erlaubt diese, die Leuchtmittel in grösserer Entfernung zum Turm zu platzieren und zum anderen wird Lichtverschmutzung durch gezieltes Ausleuchten vermieden. Lichtmasken decken jene Zonen am Bauwerk ab, wo kein Licht gewünscht ist – beispielsweise Fensteraussparungen. Ein starker, gebündelter Lichtpunkt wird mittels Optiktechnik erreicht. Das warmweisse Licht erzeugt eine angenehme Stimmung für den Betrachter, ohne dabei grell zu wirken.

Der Zytglogge wird neu von 11 Projektoren an vier verschiedenen Standorten angeleuchtet. Gezielte Akzentbeleuchtung setzt ausserdem die Merkmale des Turms wie beispielsweise das Planetenfresko, den goldenen Hans von Thann oder den Tordurchgang dezent aber wirkungsvoll in Szene. Als Basis für die neue Anleuchtung des Zytgloggeturms dient ein Beleuchtungskonzept vom Lichtplaner der Lichtbau GmbH, dessen Umsetzung in Zusammenarbeit mit vielen involvierten Stellen, z.B. Denkmalpflege Stadt Bern, Immobilien Stadt Bern, Amt für Umweltschutz erfolgte. Die Bauherrschaft für die Beleuchtungssanierung obliegt Energie Wasser Bern.

 

Die neuen Lampen (Bildmitte, zwischen Leiter und Kamin) integrieren sich perfekt in das Gesamtbild und fallen kaum auf. Der Zytglogge wird neu von 11 Projektoren an vier verschiedenen Standorten angeleuchtet, hier von der Kramgasse aus.

 

Auch vom Theaterplatz her wird der Zytglogge mit neuen Lampen beleuchtet. Die sieben alten Scheinwerfer befinden sich rechts unten im Bild, bei der Leiter. Links vom Turm, etwas oberhalb der kleinen Dachlukarne, sind die neuen Lampen zu erkennen.

Text & Bilder: C. Berger, Energie Wasser Bern