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Interview mit Nathalie Verdon

Die Berner Künstlerin Nathalie Verdon bringt in ihrem Tattoostudio «Iguana Tatau» an der Optingenstrasse Farbe unter die Haut. 1992 sticht sie ihr erstes Tattoo. Seither sind es einige Tausende mehr geworden, schätzt sie.

Wie lange sind Sie schon Tattoo-Künstlerin?

1992 begann ich eine Lehre bei Marino Bianchera von den «Tattoo Rebels» in Zürich. Er brachte mir alles Elementare, angefangen beim Umgang mit Kunden, Hygiene bis hin zum Nadeln selber machen bei. Natürlich lehrte er mich auch die verschiedenen Techniken vom Tätowieren und die Umsetzung von einer Zeichnung zum Tattoo.
Heute wird leider von Vielen aus der jungen Generation nicht mehr berücksichtigt, ob die jeweilige Technik für eineTätowierung funktioniert. Wie verhält sich die Farbenzusammensetzung längerfristig in der Haut? Wie sieht dieses Motiv in zehn Jahren aus, erkennt man es dann noch?! Das sind sehr wichtige Aspekte, worüber Viele nicht nachdenken.

Was ist für Sie das schönste an Ihrem Beruf?

Ich mag das kreative und selbstständige Arbeiten. Auch der zwischenmenschliche Austausch mit meinen Kunden empfinde ich als sehr bereichernd. Ausserdem ist es sehr befriedigend und schön zu sehen, wie sich die Kunden jeweils über meine Arbeit freuen.

In welchem anderen Beruf hätten Sie sich auch noch gesehen?

Als Innendekorateurin oder Gärtnerin.

Wie lange dauert es, ein richtig grosses Tattoo zu stechen?

Die erste Sitzung einer grossen Konzeptarbeit, beispielsweise die Konturen flächendeckend auf einen Rücken zu bringen, nimmt oft viel Zeit in Anspruch. Alleine das Aufzeichnen und anschliessende Linieren kann gut 6 bis 7 Stunden dauern.

Woher nehmen Sie die Energie, so lange konzentriert zu arbeiten?

Das ist Gewohnheit und jahrelange Routine. Daher nehme ich mir auch immer wieder meine Ruhezeiten wo ich mich aus dem Alltagstrubel ausklinke.

Was war das schlimmste Tattoo, auf das Sie je ein Cover Up gestochen haben? Bzw. wie sah das ursprüngliche Tattoo aus?

Oft erkennt man gar nicht mehr, was es einmal war. Es sieht halt meistens daneben aus, wenn ein Banause am Werk war. Wie schon zuvor erwähnt, gilt es viele verschiedene Aspekte zu berücksichtigen. Ist eine Tätowierung bezüglich Motiv wohl überlegt, richtig am Körper platziert und natürlich die Arbeit sauber und mit Liebe ausgeführt, kann man auch in späteren Jahren sehr gut damit leben, selbst wenn sich der Geschmack mal ändert. Man hat nicht das Gefühl, für den Rest des Lebens "gebrandmarkt" zu sein.

Gibt es ein Beispiel einer Idee eines Tattoos, welche Sie abgelehnt haben?

Ja! Einen Dinosaurier auf der Stirn…

Haben Sie einen Tipp für jemanden, der sich sein erstes Tattoo stechen lassen will und Angst davor hat?

Wichtig ist, sich von einem erfahrenen und professionellen Tätowierer beraten zu lassen. Und vor allem die „Tipps“ von selbsternannten Tattoo Experten ignorieren.

Ist es schwer, die genauen Vorstellungen von Kunden umsetzen zu können?

Nein, eigentlich nicht. Ich empfehle den Kunden jeweils, Foto-Beispiele mitzubringen. So habe ich schon mal eine klare bildliche Vorstellung und ich weiss, dass der Kunde und ich die gleiche Sprache sprechen. Der Rest ergibt sich jeweils von selbst. Die jahrelange Erfahrung hilft mir natürlich auch sehr.

Was gefällt Ihnen an Bern besonders gut?

Bern ist meine Heimat, diesen Platz kann kein anderer Ort einnehmen. Wenn ich vom Obstberg oder vom Rosengarten auf die Altstadt blicke, berührt mich dies jeweils sehr - nicht nur wegen ihrer pittoresken Ausstrahlung.

Nennen Sie uns 3 Dinge, die Ihnen im Umgang mit Ihren Kunden wichtig sind.

Respekt, Anstand und Zuverlässigkeit. Eine Prise Humor ist natürlich auch nicht zu unterschätzen!

Wie lautet Ihr Lebensmoto?

Versuche mit deinen Mitmenschen so umzugehen, wie du auch selber behandelt werden möchtest.

Foto: Bobby Alkabes

Hinweis: In dieser Rubrik stellen wir Fragen an Persönlichkeiten mit Bezug zu Bern. Falls Sie auch Lust haben, sich unseren Fragen zu stellen oder eine Idee für ein spannendes Interview haben, kontaktieren Sie uns unter: events@ewb.ch.