Wasserversorgungnichtgefährden
EinsprachegegenkantonalenWasserbauplan

26.11.2009

Die Wasserverbund Region Bern AG und Energie Wasser Bern haben gegen den kantonalen Wasserbauplan Einsprache erhoben. Das Projekt beeinträchtigt mehrere Wasserversorgungsanlagen zwischen Thun und Bern stark. Die beiden Unternehmen wiesen den Kanton rechtzeitig auf ihre Bedenken und Anliegen hin. Leider zeigte dies keine Wirkung. Deshalb wurde eine Einsprache zur Sicherung der Wasserversorgung unumgänglich.

Das Projekt «Aarewasser» will in erster Linie den Hochwasserschutz entlang der Aare zwischen Thun und Bern verbessern. Die Wasserverbund Region Bern AG und Energie Wasser Bern unterstützen dieses Ziel und helfen aktiv mit, geeignete Massnahmen umzusetzen. Denn gerade für die Energieversorgung ist ein guter Hochwasserschutz wichtig. Allerdings wurden beim Projekt «Aarewasser» zentrale Anliegen der Wasserversorgungen ausser Acht gelassen oder zu wenig ernst genommen. Hochwasserschutzmassnahmen dürfen aus Sicht des Wasserverbunds und von Energie Wasser Bern auf keinen Fall dazu führen, dass weniger Trinkwasser zur Verfügung steht oder dessen Qualität gefährdet ist. Die Auswirkungen der vom Kanton geplanten Massnahmen auf die Grundwasserströme sowie auf die bestehenden und künftig nutzbaren Wasserfassungsgebiete sind laut den beiden Unternehmen nicht genügend analysiert worden.

GefahrenfürwichtigesVersorgungsgebietKiesen…

Rund 170‘000 Menschen in der Stadt Bern und in acht umliegenden Gemeinden versorgt die Wasserverbund Region Bern AG mit bestem Trinkwasser. Das wichtigste Fassungsgebiet liegt in Kiesen und liefert 60‘000 Liter Grundwasser pro Minute. Die Bedeutung dieser Fassungen hat sogar noch zugenommen, weil im zweitgrössten Fassungsgebiet Aeschau seit 2006 je nach Pegelstand der Emme kein Wasser mehr entnommen werden darf. Umso schwerwiegender sind jegliche Auswirkungen des Hochwasserschutzprojekts auf die Fassungen in Kiesen. Die Projektverantwortlichen beim Kanton rechnen damit, dass zwei oder sogar drei der bestehenden fünf Fassungen in Kiesen aufgehoben werden müssen, ohne dass bereits gleichwertige Ersatzanlagen zur Verfügung stehen. Sie haben bisher nicht dargelegt, wie die Versorgungssicherheit dennoch jederzeit gewährleistet werden kann. Die Wasserverbund Region Bern AG und Energie Wasser Bern befürchten zudem, dass bei den Umgestaltungsmassnahmen in Kiesen die natürliche Filterschicht verletzt und das Wasser während der Bauphase verunreinigt werden könnte. Das Projekt «Aarewasser» sieht ungenügende Kontroll-, Überwachungs- und Interventionssysteme vor, um eine tadellose Wasserqualität sicherzustellen.

…undfürTransportleitung

Eine Gefährdung sehen der Wasserverbund und Energie Wasser Bern auch für die äusserst wichtige Aaretalleitung 1, welche das Wasser vom Fassungsgebiet Kiesen nach Bern transportiert. Die beiden Unternehmen warnen davor, dass die Aaretalleitung im Rahmen der Bauarbeiten für das Hochwasserschutzprojekt durch schwere Erschütterungen, Belastungen, Setzungen oder direkte Eingriffe beschädigt werden könnte. Ein Ausfall hätte für die Wasserversorgung in der Region Bern verheerende Folgen. Die Projektunterlagen enthalten ungenügende Angaben über Schutzvorkehrungen. Für die Gebiete Wichtrach und Eichholz beispielsweise sind in den Plänen zwar Leitungsumlegungen eingezeichnet. Die technische Machbarkeit ist jedoch noch nicht nachgewiesen. Zudem würde durch das Projekt «Aarewasser» die Zugänglichkeit der Aaretalleitung 1 für Unterhalts- und Reparaturarbeiten beschränkt oder gar verhindert – mit entsprechenden Folgen im Ernstfall.

WeitereVersorgungsgebietebetroffen

Neben dem wichtigsten Fassungsgebiet in Kiesen sind noch weitere Fassungen des Wasserverbunds vom Projekt «Aarewasser» betroffen. In der Belpau soll eine Sollbruchstelle für Hochwassersituationen errichtet werden. Dadurch würde es zu Überflutungen der Schutzzonen kommen. Die Konsequenz im schlimmsten Fall: Die Fassung müsste längerfristig stillgelegt werden. Auf dem Gebiet des geplanten zusätzlichen Fassungsgebiets «Amerika-Egge» sieht das Projekt «Aarewasser» Aufforstungen vor. Die Wasserverbund Region Bern AG als Eigentümerin des Gebiets hat dieser Ersatzmassnahme aber noch nicht zugestimmt.

MehrmalsdasGesprächgesucht

Der Wasserverbund und Energie Wasser Bern haben die Verantwortlichen des Projekts «Aarewasser» mehrmals und mit Nachdruck auf die enorme Bedeutung der Grundwasserfassungen im Einzugsgebiet der Aare hingewiesen. Sie haben mündlich und schriftlich die Risiken aufgezeigt, welche die Hochwasserschutz- und Renaturierungsprojekte beinhalten. Beispielsweise hat der Wasserverbund im Juni 2007 im Rahmen der Vernehmlassung eine klare Stellungnahme zum Projekt «Aarewasser» abgegeben. Mit Ernüchterung und Enttäuschung haben der Wasserverbund und Energie Wasser Bern nun zur Kenntnis genommen, dass ihre zentralen Anliegen unberücksichtigt blieben. Eine Einsprache gegen den publizierten Wasserbauplan wurde daher unumgänglich: Der Schutz des Trinkwassers als wichtigstes Lebensmittel muss immer Vorrang haben.

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