09.06.2008
Der Verwaltungsrat von Energie Wasser Bern hat sich definitiv für ein Holzheizkraftwerk und ein Gas- und Dampf-Kombikraftwerk in der neuen Kehrichtverwertungsanlage Forsthaus West ausgesprochen. Für die Realisierung der Gesamtanlage genehmigte er einen Ausführungskredit von 412 Millionen Franken.
Der Bau der neuen Kehrichtverwertungsanlage (KVA) von Energie Wasser Bern bietet die ideale Gelegenheit, in Bern ein Holzheizkraftwerk zu realisieren. Damit kann je nach Bedarf Fernwärme oder Strom produziert werden. Der Einsatz des einheimischen, erneuerbaren und CO2-neutralen Energieträgers Holz entspricht der städtischen Energiestrategie. Diese fordert eine Produktionssteigerung mit erneuerbaren Energien um 5 Gigawattstunden (GWh) pro Jahr bis 2015. Das Holzheizkraftwerk wird pro Jahr 112'000 Tonnen (ca. 300'000 m3) Holzschnitzel verwerten. Zwei Drittel davon stammen voraussichtlich aus der Region. Neben Waldhackschnitzeln und naturbelassenem Restholz aus der Holzverarbeitungsindustrie wird auf Wunsch des Kantons auch nichtkontaminiertes Altholz verbrannt. Dieses wurde bisher vorwiegend nach Italien exportiert. Die Filtertechnologie des Berner Holzheizkraftwerks ist so ausgereift, dass die strengen Emissionswerte der neuen Luftreinhalteverordnung (LRV) selbst beim Verbrennen von Altholz problemlos eingehalten werden.
Ideale Kombination von Holz und Gas
Bei der Projektierung des Holzheizkraftwerks hat sich gezeigt, dass ein zusätzliches Gas- und Dampf-Kombikraftwerk sinnvoll ist. Um den Fernwärmbedarf in Bern jederzeit zu decken, müsste das Holzheizkraftwerk sonst viermal grösser dimensioniert werden. Die dafür benötigte Menge Holz würde mehrheitlich über lange Distanzen nach Bern gebracht, was ökologisch und wirtschaftlich nicht sinnvoll ist. Während das Holzheizkraftwerk ganzjährig in Betrieb sein soll, wird das Gas- und Dampf-Kombikraftwerk flexibler eingesetzt. Es dient einerseits dazu, den Spitzenbedarf an Fernwärme abzudecken. Anderseits soll es zusammen mit dem Holzheizkraftwerk jährlich 350 bis 400 GWh Strom herstellen (maximale Leistung: 55 Megawatt). Die Stromproduktion wird nötig, um die fehlende Strommenge aus dem Kernkraftwerk Fessenheim zu kompensieren, welches in absehbarer Zeit vom Netz geht. Die Energieeinspeisung in unmittelbarer Nähe der Kundinnen und Kunden ist zudem besonders sinnvoll, weil Übertragungsverluste vermieden und Auktionsgebühren für das Transportnetz eingespart werden. Nicht zuletzt gewährleistet das Kombikraftwerk zusammen mit dem Kraftwerk Felsenau die Notstromversorgung in der Stadt Bern.
Wirtschaftlichkeit bestätigt
Mit dem definitiven Entscheid für die beiden Kraftwerke hat der Verwaltungsrat von Energie Wasser Bern auch den Ausführungskredit von 412 Millionen Franken gesprochen. Davon entfallen 251 Mio. auf die eigentliche KVA, 65 Mio. auf die Anlagen der Fernwärmeversorgung (inkl. Holzheizkraftwerk) und 96 Mio. auf jene für die Stromproduktion. Um das Grossprojekt finanzieren zu können, hat Energie Wasser Bern in den letzten Jahren Rückstellungen gebildet. Die restlichen Mittel werden am Kapitalmarkt aufgenommen. Die langfristige Finanzplanung hat die Wirtschaftlichkeit der Anlage bestätigt: Bei sämtlichen untersuchten Preisszenarien ergeben sich für alle Teile der Anlage (Kehrichtverwertung, Fernwärme, Stromproduktion) positive Ergebnisse. Energie Wasser Bern hat zudem beim Kanton einen Subventionsantrag für das Holzheizkraftwerk eingereicht. Zusätzlich wird sowohl für das Holzheizkraftwerk als auch für die KVA die kostendeckende Einspeisevergütung beantragt.
Zusätzliche Informationen und Bilder: www.forsthaus-west.ch




