24.07.2008
Ende Juli beginnen bei den zwei Gasspeicherkugeln im Berner Sandrainquartier die Abbrucharbeiten. Seit Frühling 2007 sind sie stillgelegt und haben für die Gasversorgung keine Funktion mehr. Die zahlreichen Stahlelemente können verkauft und wiederverwertet werden. Mit dem Rückbau wird das Gelände frei für eine neue Nutzung.
Energie Wasser Bern verfügt über zwei grosse Speichermöglichkeiten für Erdgas: die 2007 fertiggestellte Hochdruck-Ringleitung und der Röhrenspeicher Eymatt, welcher kürzlich erweitert wurde. Durch diese Modernisierung der Gasversorgung haben die beiden Gasspeicherkugeln im Sandrainquartier ihre Funktion verloren. Seit Frühling 2007 sind sie leer. Energie Wasser Bern hat sich aus mehreren Gründen für den Abbruch entschieden:
- Trotz der Einzäunung des Areals ist das Zutrittsverbot für Unbefugte nur schwer durchsetzbar. Mit dem Rückbau der Kugeln will Energie Wasser Bern die Unfallgefahr und das damit verbundene Werkeigentümer-Haftungsrisiko beseitigen.
- Die Fundamente der Gasspeicherkugeln sind beschädigt. Zudem besteht die Gefahr, dass die Kugeln durch den tendenziell steigenden Grundwasserspiegel oder durch ein Hochwasser in Bewegung geraten und absinken könnten. Energie Wasser Bern will durch den Abbruch der Kugeln das Risiko von hohen Kosten durch statische Probleme eliminieren.
- Damit die Kugeln erhalten werden könnten, müssten sie aufwändig saniert werden. Zahlreiche Massnahmen für Rostbeseitigung, statische Sicherung und Hochwasserschutz wären nötig. Gemäss ersten eingeholten Schätzungen würden die Kosten dafür mindestens 500'000 Franken betragen würden. Um die Kugeln als Räumlichkeiten nutzen zu können, würden weitere erhebliche Kosten für Schalldämmung und Isolation hinzukommen.
- Energie Wasser Bern benötigt das Sandrainareal seit dem Umzug ins Technische Zentrum Holligen nicht mehr und wird es verkaufen. Der Standort der Kugeln wird somit dereinst für andere Zwecke genutzt. Wenn die Kugeln nun aufwändig saniert und umgenutzt würden, wäre gegen einen späteren Abbruch viel Widerstand zu erwarten. Energie Wasser Bern würde ein Präjudiz schaffen. Dies soll im Sinne des künftigen Eigentümers verhindert werden.
Erste Füllung im Dezember 1967
Als Mitte der 1960er-Jahre die Gasspeicherkugeln geplant wurden, erwuchs ihnen starker Protest. Bisher war Gas nur in Niederdruck-Gasometern gespeichert worden. Die beiden Kugeln sollten hingegen im Hochdruckbereich betrieben werden, was bei der Bevölkerung Sicherheitsbedenken weckte. Einsprachen von Nachbarn sowie von Heimat- und Naturschutzorganisationen verzögerten die Erteilung der Baubewilligung. Im März 1967 fand schliesslich der Spatenstich statt. Neun Monate später wurden die Speicher erstmals gefüllt. Die beiden Stahlkugeln aus je 86 vorfabrizierten Elementen haben einen Durchmesser von 22 Meter und einen Speicherraum von je 5’500 Kubikmeter.
Stahl wird wiederverwertet
Der Abbruch der Speicherkugeln beginnt am 28. Juli mit Installationsarbeiten. Die Stahlelemente werden von einem Bagger mit Schneidbrenner herausgelöst. Energie Wasser Bern wird sie zur Wiederverwertung verkaufen. Durch den zurzeit hohen Stahlpreis kann so ein grosser Teil der Arbeiten finanziert werden. Die restlichen Kosten betragen rund 150'000 Franken. Mitte September wird der Rückbau gemäss Terminplan abgeschlossen sein.
Hinweis an die Bildredaktionen: Die eigentlichen Abbrucharbeiten der Stahlelemente beginnen gemäss aktuellem Terminplan in der Woche vom 11. August. Falls Sie eine spezielle Phase des Abbruchs fotografieren möchten, helfen wir Ihnen gerne bei der Terminkoordination mit der Baufirma.




