WiederinbetriebnahmeKraftwerkMatte
UmweltschonendproduzierterStromfür1750Haushalte

08.05.2007

Seit Mitte April ist das traditionsreiche Berner Kraftwerk Matte wieder in Betrieb. Es war durch das Hochwasser im August 2005 stark beschädigt worden und musste grundlegend saniert werden. Anfang Mai hat es zudem die Auszeich­nung «naturemade star» erhalten und produziert somit zertifizierten Ökostrom.

Ende August 2005 flutete das Hochwasser der Aare die Zentrale des Kraftwerks Matte und beschädigte es stark. Die elektronischen Steuerungen und das Getriebe wurden komplett zerstört und mussten ersetzt werden. Die Turbine und der Generator können weiterbenutzt werden, benötigten aber eine Überholung. Insgesamt belief sich der Schaden, der durch die Versicherung gedeckt war, auf rund 1,5 Millionen Fran­ken. Energie Wasser Bern wartete zunächst mit einem Entscheid zur Sanierung des Kraftwerks ab. Die städtischen Instanzen sollten vorher über das Weiterbestehen der Mattenschwelle entscheiden. Mitte Dezember 2005 wurden der Öffentlichkeit die Mass­nahmen zum Hochwasserschutz vorgestellt, wonach eine Entfernung der Mat­ten­schwelle nicht vorgesehen ist. Im Januar 2006 beschloss daraufhin die Geschäfts­leitung von Energie Wasser Bern, das Kraftwerk Matte zu sanieren. Ursprünglich war die Wiederinbetriebnahme des traditionsreichen Kraftwerks, wel­ches bereits 1891 erstmals Strom produzierte, für den Herbst 2006 geplant gewe­sen. Durch die lange Lieferfrist für das neue Getriebe verzögerte sich der Termin um ein halbes Jahr.

Beliebter Strom aus Kleinkraftwerken

Das Kraftwerk Matte nutzt ein Gefälle von 3,2 Meter, über welches maximal 40'000 Liter Aarewasser pro Sekunde fliessen. Damit produziert die Anlage seit der letzten Totalsanierung Mitte der 1980er-Jahre rund 7 Gigawattstunden (GWh) Strom pro Jahr, was den durch­schnitt­lichen Bedarf von 1750 Haushaltungen deckt. Dies ent­spricht zwar nur einem halben Prozent des in Bern benötigten Stroms. Allerdings erfolgt die Produktion besonders umweltschonend mit erneuerbarer Energie, was einer der Hauptgründe für das grüne Licht der Geschäftsleitung von Energie Wasser Bern zugunsten der Sanierung war. Dieser Beschluss erwies sich im Herbst 2006 als richtig: Bei der Wahl der neuen Stromprodukte entschieden sich so viele Bernerin­nen und Berner für Strom aus lokalen Kleinkraftwerken, dass die Nachfrage das eigene Angebot überstieg. Mit der Wiederinbetriebnahme des Kraft­werks Matte kann die Produktion von Ökostrom nun deutlich erhöht werden.  

Hochwasserschutz verbessert

Als Hochwasserschutzmassnahme baute Energie Wasser Bern bereits im letzten Jahr vier Handschleusen der Mattenschwelle um. Sie können im Notfall schnell und ein­fach entfernt werden, was die Durch­lässigkeit für Schwemm­­holz stark erhöht. Die zwei 8 Meter langen Teile sind in einer Führung so verankert, dass sie ein massiver Pneukran bei Bedarf anheben und komplett entfernen kann. Ein Test im April 2006 zeigte, dass dies wie gewünscht ohne weiteres Hilfspersonal funktioniert. Auch am Kraftwerk selbst wurde der Hochwasserschutz erhöht. Neu können im Notfall wasser­dichte Schotten geschlossen werden. Zudem wurde die Eingangs­schleuse besser abgedichtet.

Zertifizierter Ökostrom

Vor wenigen Tagen erhielt das Kraftwerk Matte die Zertifizierung «naturemade star» und produziert somit Ökostrom. Verliehen wird die Auszeichnung durch den Verein für umweltgerechte Elektrizität (VUE). Der VUE wird unter anderem von WWF Schweiz, Pro Natura und dem Konsumentenforum getragen. Damit von Ökostrom gesprochen werden darf, muss ein  Wasserkraftwerk verschiedene Auflagen erfüllen. So ist beispielsweise die Einrichtung einer Fischtreppe Bedingung, damit die Fische im Fluss das Kraftwerk «umgehen » und sich flussaufwärts bewegen können. Pro ver­kaufte Kilowattstunde zahlt Energie Wasser Bern einen Rappen in einen Fonds für ökologische Verbesserungsmassnahmen ein. Aus diesem Fonds werden Projekte finanziert, die direkt der Natur zugute kommen, beispielsweise eine naturnahe Ufer­gestaltung. Darüber hinaus wird aus dem Erlös des verkauften Ökostroms aus Wasserkraftwerken wiederum ein Anteil Strom aus neuen erneuerbaren Energien (Sonne, Wind, Biomasse) ins Netz ein­gespeist, um diese noch stärker zu fördern.

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